Vollständige Liberalisierung des Strommarktes

Das revidierte Stromversorgungsgesetz ist nun in der Vernehmlassung. Der Bundesrat möchte die vollständie Marktöffnung umsetzten.

Am 17. Oktober gab der Bundesrat das revidierte Stromversorgungsgesetz (StromVG) in die Vernehmlassung. Bis zu einem allfälligen Inkrafttreten dürfte es noch mindestens zwei Jahre dauern. Ebenfalls kann in dieser Zeit die Vorlage noch wesentlich geändert werden, was eine Abschätzung zum jetzigen Zeitpunkt entsprechend erschwert. Wir möchten unseren Kunden dennoch, gemäss heutigem Stand, einige Hinweise geben, was der Bundesrat mit der Revision StromVG beabsichtigt.

Marktöffnung
Der Strommarkt wird für alle Endverbraucher geöffnet (vollständige Liberalisierung). Dies ist vorteilhaft, da nun auch kleine Strombezüger wie zum Beispiel Immobilieneigentümer, Büros, kleinere Gewerbebetreibe oder Haushalte vom freien Markt profitieren und so die Kosten reduzieren können.  Zudem können neue Modelle für die Verrechnung an Mieter, sowie den Eigenverbrauch und das Pooling einfacher umgesetzt werden.

Messwesen
Der Bundesrat sagt in seiner Medienmitteilung klar: Zitat „Die Preise der von den Netzbetreibern erbrachten Messdienstleistungen sind heute teils massiv überhöht und es gibt Qualitätsprobleme bei der Datenbereitstellung“. Das sind deutliche Worte, die wir aus unserer langjährigen Erfahrung leider nur bestätigen können. Mit der Revision StromVG soll das Messwesen weitgehend liberalisiert werden, um die genannten Probleme zu beheben. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen,  dass die Stromwirtschaft im Verlaufe des Gesetzgebungsprozesses versuchen wird, das gewinnbringende Monopol zu verteidigen. Wir gehen aber davon aus, dass es gelingen wird, mit dem neuen StromVG die Messkosten zu halbieren und auch die Datenqualität deutlich zu verbessern.

Netznutzung und Flexibilitäten
Mit der Energiestrategie 2050 und der damit verbundenen Förderung der „Erneuerbaren“ wird die Stromproduktion viel volatiler. Einerseits möchte man diesem Problem mit einem Ausbau der Speicherkapazitäten begegnen. Andererseits setzt der Bundesrat stark auf eine Flexibilisierung der Nachfrage (Demand-Side-Management). Strom soll dann konsumiert werden, wenn er aktuell vorhanden ist. Dies soll einerseits durch „smarte“ Systeme gewährleistet werden, andererseits natürlich durch entsprechende preisliche Anreize. Auch wenn hier noch sehr viele Fragen offen sind, lohnt es sich dennoch schon heute, bei Neuanschaffungen und/oder grösseren Umbauten von stromintensiven Anlagen darauf zu achten, dass solche flexible Einsätze wenn möglich ohne grosse Nachrüstungen machbar sind.

Stromspeicher-Reserven
In eine ähnliche Richtung geht das revidierte StromVG mit der gesetzlichen Regelung, dass zur Absicherung von Versorgungsengpässen der Regulator die Vorhaltung von Stromspeicher-Reserven anordnen kann. Das ist sicher wünschenswert oder gar notwendig. Wichtig ist dabei, dass es nur um diese Zielsetzung geht und nicht etwas darum, der Stromwirtschaft weitere lukrative Einnahmequellen zu zusichern.

Zögern Sie nicht uns zu kontaktieren, sollten Sie Detailfragen zur anstehenden Revision des StromVG haben. Unsere Experten helfen Ihnen gerne.